An der Kreuzung von Religionen und Kulturen
dem Dialog auf der Spur
Interview mit Bischof Dr. Kurt Koch
Scalabrini Fest, Solothurn, 2. Mai 2009
Agnese
Auch aufgrund der Migrationsbewegungen erscheinen uns heute andere Religionen oftmals nicht mehr so fremdartig, sie haben ein konkretes und persönliches Gesicht erhalten in der alltäglichen Begegnung mit Menschen, die einer anderen Religion angehören. An der Kreuzung von Religionen und Kulturen zu leben, setzt unser Mensch - und unser Christsein intensiv aufs Spiel und weckt viele Fragen in und um uns.
Herr Bischof, Sie sind Mitglied verschiedener Kommissionen, denen der ökumenische und interreligiöse Dialog anvertraut ist. Könnten Sie uns kurz erläutern, was eigentlich mit interreligiösem Dialog gemeint ist und welche Fortschritte die Kirche seit dem zweiten Vatikanischen Konzil in den letzten Jahren zurückgelegt hat? Welches sind die grössten Schwierigkeiten und welches die fruchtbarsten Schritte in diesem Dialog?
Bischof Kurt Koch
Man muss einmal unterscheiden zwischen der Ökumene und dem interreligiösen Dialog.
Mit
Ökumene meint man alles Bemühen um das Wiederfinden der Einheit der Christen im Glauben. Alle Christen haben denselben Glauben, doch leben sie ihn in verschiedenen Dimensionen und mit verschiedenen Aspekten.
Unsere Kirche ist mit 17 verschiedenen anderen christlichen Kirchen in einem intensiven Dialog. Ich selbst bin im Dialog mit den Orthodoxen und dem lutherischen Weltbund. Daneben gibt es noch viele solche bilateralen Dialoge.
Unter
interreligiösem Dialog versteht man hingegen den Dialog zwischen verschiedenen Religionen. Da geht es nicht um die Einheit im Glauben. Wir sind verschiedenen Glaubens. Natürlich gibt es eine unterschiedliche Nähe. Die grösste Nähe haben wir zum Judentum. Es ist unsere "Mutter": Das Christentum ist aus dem Judentum heraus entstanden. Der Islam ist eigentlich eher eine "Tochter" des Christentums, allerdings eine Tochter, die den Eindruck hat, sie sei die Vollendung des Christentums.
Daneben gibt es die anderen Weltreligionen, Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus, Taoismus und so weiter; dazu gehören auch die Urreligionen Afrikas und Lateinamerikas.
Im interreligiösen Dialog geht es vor allem darum, dass man die gemeinsamen Anliegen der Menschheit thematisiert. Das ist gerade für das Christentum wichtig, weil Jesus in die Welt gekommen ist, um das Volk Gottes zu sammeln. Diese Sammlung des einen Volk Gottes ist ein sichtbares Zeichen für das, was Gott will: Er will die Menschheit einen. Das eine Menschsein ist wichtiger als die Nationalität. Die Nationalität ist zentral, hat mit kultureller Prägung zu tun; im Grunde genommen aber sind wir im Wesen des Menschseins dieselben Geschöpfe Gottes. Und hier zu mehr Einheit, Frieden und Gerechtigkeit unter den Völkern und Religionen beizutragen, das ist das grosse Anliegen des interreligiösen Dialogs.
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Wer den ganzen Text des Vortrages lesen möchte, kann ihn bei der Redaktion "Auf den Wegen des Exodus" per Post bestellen.
Informationen unter ibz-solothurn@scala-mss.net oder stuttgart@scala-mss.net