Auf den Wegen des Exodus


Fast unmöglich, es nicht zu bemerken: "Auf den Wegen des Exodus" hat den Mantel gewechselt, Schrift und Aufbau verändert, der Druck ist feiner und präziser geworden...
Zu solchen Veränderungen im Layout kommt es nicht zum ersten Mal, bedenkt man, dass die italienische Ausgabe bereits 1968 entstand, zuerst in unregelmäßigen Abständen und als Rundbrief mit dem Namen "Insieme". 1975, also vor 35 Jahren, war dann die eigentliche Geburtsstunde von "Sulle strade dell'esodo".
Im Jahr 1981 kam "Pelas estradas do êxodo", die portugiesisch-brasilianische Ausgabe dazu, 1986 die deutsche und mit unserer Anwesenheit als Gemeinschaft in Mexico-City begann dann im Jahr 2002 auch das spanischsprachige Heft "Por los caminos del éxodo".

"Auf den Wegen des Exodus" ist in Solothurn entstanden, wie unsere Säkularinsitut der Scalabrini-Missionarinnen auch. Beide sind in der Emigration geboren und das Unterwegs-Sein gehört so zu sagen zu unserer DNA.

Von Anfang an ging es uns auch darum, denjenigen Stimme zu geben, die oft keine haben, nämlich den Fremden, "Ausländern", Migranten, Asylbewerbern und Flüchtlingen; gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern darüber nachzudenken, wie ein Zusammenleben in der Verschiedenheit in Gesellschaft, Kirche und Welt aussehen kann; zu entdecken und zu berichten, wie trotz aller Verletzungen, die tagtäglich geschehen und die wir nicht verschweigen wollen, in vielen Menschen und Situationen eine Kultur der Gastfreundschaft am Wachsen ist.

Eine korrekte und aktuelle Information liegt uns am Herzen, wenn auch der Charakter des Heftes nicht pur "informativ", sondern in erster Linie "formativ" ist. Aus diesem Grund ist uns z.B. auch die Rubrik "Lebensbericht" besonders wichtig. "Auf den Wegen des Exodus" ist also nicht nur ein Sprachrohr, sondern auch für uns Scalabrinis eine wertvolle Quelle, um uns untereinander und mit vielen Gleichgesinnten und Andersdenkenden auszutauschen, voneinander zu lernen, wie wir die Geschehnisse in der Welt mit den Augen des Glaubens lesen können, wie wir hinter den Dramen der Menschheit, zu denen eine erzwungenen Migration und Flucht gehören, trotzdem entdecken können, dass der Gott des Exodus mit uns Menschen Geschichte schreibt und uns alle zu einer einzigen Menschheitsfamilie zusammenführen will.

"Auf den Wegen des Exodus" kann man nicht am Kiosk kaufen. Für eine "Zeitschrift" hat sie eine kleine Auflage. Natürlich würden wir uns wünschen, dass sie noch viele Interessierte erreichen kann, dass sich noch viele auf der Suche nach einem Zusammenleben in Vielfalt herausfordern lassen.

Vieles ist handgemacht und erst seit kurzem werden die portugiesische, die spanische und jetzt die deutsche Ausgabe in einer richtigen Druckerei gedruckt. Das Layout geschieht an unseren Computern und wir sind keine Fachleute. Doch: Freunde helfen uns immer wieder! Beim Schreiben der Artikel, bei der Grafik, beim Fotografieren, beim Übersetzen und Nachlesen, beim Druck und beim Zusammenlegen der Hefte, beim Versand, beim Verbessern der einzelnen Abläufe und auch durch ihre finanzielle Unterstützung! Für das Teilen eurer Ideen, Talente, Möglichkeiten, Zeit& sei euch und Ihnen hier herzlich gedankt!
Und vielleicht zieht ja auch diese Gütergemeinschaft weitere Kreise?
Auf den Wegen des Exodus ist eine Zeitschrift, die wie die Migranten selbst Grenzen überquert. Zur Zeit wird sie in ihren vier Sprachen in 38 Länder verschickt, nämlich nach Albanien, Argentinien, Australien, Bolivien, Bosnien, Brasilien, Chile, Deutschland, England, Frankreich, Guatemala, Haiti, Holland, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kamerun, Kanada, Kolumbien, Luxemburg, Mexiko, Mosambik, Österreich, Paraguay, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Spanien, Ungarn, Uruguay, USA, Vatikan, Venezuela.

Die Leser sind jung und alt, Migranten, Flüchtlinge, Mitglieder von Organisationen und Kommissionen, Bischöfe, Ordensleute und engagierte Christen, Kirchennahe und Kirchenferne, Mitglieder der Scalabrini-Familie, Freunde, Verwandte und Bekannte, die an unseren Treffen teilnehmen oder die uns und den Weg vieler Migranten auf ganz unterschiedliche Weise begleiten.
Bei dieser großen Verschiedenheit ist es nicht immer einfach, den richtigen Ton, Text und Stil für alle zu finden - eine Herausforderung, die uns bei jedem Heft neu begleitet. Ein großes Augenmerk legen wir dabei auch auf die Bilder. Geht es in ihnen um Beziehung, Begegnung, Miteinander-Unterwegs-Sein? Drücken sie Achtung und Wertschätzung dem anderen gegenüber aus? Sprechen auch sie von einer "Spiritualität des Exodus"?

Diese Fragen stellen wir uns vor allem in unseren internationalen Redaktionen, die gut vernetzt sind und über die Ozeane hinweg eng zusammenarbeiten. Gut, dass es Internet gibt! Seitdem ist auch unsere Zusammenarbeit leichter geworden. Denn bis ein Heft zum Leser kommt, hat es Tausende Kilometer - virtuell und real - hinter sich. Von Stuttgart nach Mailand über Solothurn, dann zum Übersetzen, Nachlesen und Lektorieren auch an Freunde und Verwandte in aller Welt, über den Pazifik nach São Paulo zum Layout und zurück in den PC nach Stuttgart, um dort mit einer kleinen Druckmaschine auf Papier zu kommen, geschnitten, gefalzt, geheftet und... verschickt zu werden. Ein langer Weg, an dem viele beteiligt sind.

"Auf den Wegen des Exodus" ist in allen vier Sprachen nun auch online auf unserer Homepage zu finden: http://www.scala-mss.net/td/ssde.html
Der ein oder andere Artikel lässt sich dort nachlesen.

Wer mit Migranten und jungen Leuten unterwegs ist, kann nicht anders als selbst unterwegs zu bleiben. Es wird also auch weiterhin viele Überraschungen geben! Vielleicht haben ja auch Sie eine Idee?

Christiane Lubos